Februar
21
Der Spion mit dem Strumpfband – Lisa McAbbey
Cora

Klappentext:
London 1756: Die junge Agentin Clarissa Greenly, Tochter eines verarmten Barons, erhält den Auftrag, einem hohen Regierungsbeamten, dem nüchternen und strengen Earl von Hawkhurst, ein geheimnisvolles Notizbuch abzujagen. Doch so erfolgreich sie auch sonst ihre geheimen Aufträge ausführt – diesmal will es nicht klappen! Und jeder neue Versuch stürzt Clarissa in tiefere Gefühlsverwirrungen, denn der Earl entpuppt sich als äußerst attraktiver und leidenschaftlicher Mann.

Titel: Der Spion mit dem Strumpfband
Autor: Lisa McAbbey
Verlag: beHEARTBEAT by Bastei Entertainment
Seiten: 207
ASIN: B01N97W0QG
Meine Bewertung: 5 Sterne – gefällt mir sehr

Inhalt:
Clarissa Greenly, Agentin und verarmte Tochter eines Barons, muss dem Earl von Hawkhurst ein Notizbuch abluchsen. Dieser Auftrag scheint nicht so leicht zu sein, wie ihre bisherigen und dann schaut der Earl auch noch sehr gut aus …

Schreibstil:
<3 was soll ich noch groß schreiben? Nach „Die Reise nach Edinburgh“ und „Die Eroberung des Normannen“ schafft es Lisa McAbbey abermals, mich in eine längst vergessene Welt zu entführen. Ihr Hauptthema neben der romantischen Liebesgeschichte um James und Clarissa ist der siebenjährige Krieg 1756 – 1763.

Der Einstieg ins Buch war mit dem ersten Satz ein Highlight: „Gib acht, Mädchen, dass du keine Kanten oder Ecken beschädigst, die Einbände nicht zerkratzt, weder Eselsohren noch Fettflecken hinterlässt! Merk dir: Man muss Bücher wie rohe Eier behandeln – vorsichtig und sehr behutsam!“;
Ich liebe Bücher und von daher freute ich mich besonders, gleich so empfangen zu werden – so hieß es auch von William Cuthbert Faulkner (1892 – 1962): Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will; nun wusste ich ja, dass ich das komplette Buch von Lisa McAbbey lesen wollte, aber dieser Satz lies mein Herz wahrlich brennen und ich fühlte mich sofort angesprochen und tauchte ab in die große Buchhandlung von Mr. Noon, sah die Reihen von Büchern vor mir und roch den Staub, der sich über die Zeit auf die Einbände niederlegte und fieberte mit den Figuren mit und so weiter und so fort.

Kurz geschrieben: Ich war hin und weg, von der Idee der Geschichte, von den Figuren, deren Handlungen und der ganzen Kulisse. Die Liebesgeschichte mit teils sehr knisternden Szenen war ein wundervolles Geschenk für die teils trockenen politischen Geschehnisse, welche aber zur Geschichte passen. Besonders hervorzuheben ist der Ausdruck der Autorin, so nutzt sie längst vergessene Wörter um ihre Geschichte noch authentischer werden zu lassen. Ich bin einfach nur begeistert, so muss ein historischer Roman geschrieben sein!

Charaktere:
Clarissa ist eine wundervolle Protagonistin, welche ich umgehend vor meinem geistigen Auge sah. Ihre Art zu agieren passt zu ihr und wie sie sich in ihren Auftrag stürzte, brachte mir mehr als einmal ein lächeln ins Gesicht.

Der Earl von Hawkhurst ist ebenfalls ein sehr liebenswürdiger Zeitgenosse und auch ihn habe ich vergöttert! Was für ein toller Mann! Besonders sein Umgang mit Clarissa berührte mich.

Clarissas Vater erinnerte mich sehr an Mr. Bennet (aus Stolz und Vorurteil von Jane Austen), der gutmütige Alte hatte irgendwie nicht mehr alle Tassen im Schrank – so gutmütig kann man doch nicht sein! – aber er passt in das Bild der Geschichte so gut hinein, dass ich ihn doch irgendwie mochte.

Die anderen Charaktere wirkten ebenfalls so natürlich und zum liebhaben, dass ich sehr traurig bin „Der Spion mit dem Strumpfband“ schon ausgelesen zu haben, aber ich kann es ja immer wieder lesen 😉

Cover:
Das Cover ist sehr schön geworden und passt zur Geschichte.

Fazit:
Wieder ein ganz tolles Buch von Lisa McAbbey, welches jetzt schon zu meinen Favoriten für das Jahr 2017 zählt! Tolle Idee, wundervolle Charaktere und ein traumhafter Schreibstil! Ich empfehle es an jeden, der gerne romantisch-kriminalistische Liebesgeschichten liest! Von mir gibt es 5 Sterne!

Ich bedanke mich bei Lisa McAbbey für das Rezensionsexemplar.

Februar
01
[Statistik] Januar 2017
Cora

Der erste Monat im neuen Jahr ist rum und ich bin zu dem Schluss gekommen:
Ich muss mehr Pferdebücher rezensieren! Es gibt so viel Schrott auf dem Markt, davor muss man potentielle Käufer warnen – freut euch also 😉

Nun aber zur Statistik:


Gelesen:

Stresspunktmassage nach Jack Meagher: Mit Triggerpunkt-Behandlung und Dry Needling – Claus Teslau / 144 Seiten / 1 Stern
Das Hufbuch: Basiswissen Pferdehufe – Angela Mayr / 72 Seiten / 5 Sterne
Ich glaube, der Fliesenleger ist tot!: Ein lustiges Baubuch – Julia Karnick / 368 Seiten / 3 Sterne


Abgebrochen:

Geheimnisvolle Versuchung – Alix Rickloff / 150 Seiten / 1 Stern
Level 26: Dunkle Seele – Anthony E. Zuiker / 30 Seiten / 1 Stern


Gastrezension:

Balanceakt: Wie Pferde geritten werden müssen, damit sie gesund bleiben – Gerd Heuschmann


Fazit:

Ganz besonders freute ich mich, gleich im ersten Monat, eine fundierte Gastrezension veröffentlichen zu dürfen und ich hoffe auf mehr davon!

Ich selber habe 3 Bücher gelesen und 2 Bücher abgebrochen. Ich komme auf 764 Seiten und einen Sternedurchschnitt von 2,2 – das ist unterdurchschnittlich für mich, aber was solls.

Auch habe ich im Januar ein Buchexpose erhalten und durfte testlesen. Ich war total begeistern und habe vorab schon mal 5 Sterne vergeben. Ich hoffe auf baldiges erscheinen und werde dann natürlich eine tolle Rezi zum Buch schreiben. Ihr dürft euch freuen 😀 Vielen Dank an dieser Stelle noch mal, an die liebe Autorin, für das entgegengebrachte Vertrauen!

Januar
29
Ich glaube, der Fliesenleger ist tot!: Ein lustiges Baubuch – Julia Karnick
Cora

Klappentext:
»Ist es nicht ärgerlich, wie viel Geld man verschleudert, wenn man lebenslang Miete zahlt?« Wer diese Frage stellt, steht schon mit einem Bein in der Baugrube – oder zumindest im Notariat. Egal ob man neu, aus-, an- oder umbaut, eines kommt sicher auf die Bauherren zu: eine Menge. Julia Karnick hat das alles hinter sich und weiß, wie man eine drohende Kostenexplosion bewältigt, sich das Leben ohne Keller schönredet, abgetauchte Handwerker aufspürt, einen Jahrhundertwinter und zwei Wasserschäden übersteht.

Titel: Ich glaube, der Fliesenleger ist tot!: Ein lustiges Baubuch
Autor: Julia Karnick
Verlag: blanvalet
Seiten: 368
ISBN: 978-3442378685
Meine Bewertung: 3 Sterne – lässt sich gut lesen

Inhalt:
Familie Karnick kauft ein Grundstück und lässt das darauf stehende Haus abreißen um ein neues Haus zu bauen. Der Baualltag wird Rückblickend mit viel Humor geschildert …

Schreibstil:
Als freie Journalistin und Kolumnistin weiß Julia Karnick wie man schreibt und seine Leser bei Laune hält. Die Geschichte an sich hat mich tief berührt und ich musste das Buch des Öfteren zur Seite legen, einfach weil ich beim Lesen schon eine halbe Depression bekommen habe – wie kann man diese ganze Schei** nur durchmachen? Auf dieser Baustelle hat ja wirklich nichts geklappt! Ich bin sehr froh, dass der Hausbau (vor über 20 Jahren) bei meinen Eltern ohne einen Mangel funktioniert hat und ich auch im Bekanntenkreis habe ich zwar von Baupannen gehört, aber nie, dass solche Mängel aufgetreten sind. Daher habe ich mich zwischenzeitlich immer wieder gefragt, ob die Dinge wirklich so passiert sind, wie sie denn geschildert wurden. Im Buch steht ganz klar: Ja, alles so passiert! Gruselig und authentisch wird also beschrieben, wie sich die Handwerker verhalten, was nicht klappt und die Folgen dazu. Auch wird nach jedem Kapitel aufgerechnet wie hoch die Baunebenkosten sind und was man dafür bekommt – oder eben auch nicht. Dennoch werden die ganzen Pannen und die Depression der Autorin locker flockig niedergeschrieben, frei nach dem Motto: Wenn du nicht weinen kannst, dann lache.

Cover:
Das Cover spiegelt genau das wieder, was das Buch beinhaltet: Alles geht zu Bruch!

Fazit:
Für Menschen, welche überlegen zu bauen könnte es ein halber Ratgeber sein „worauf sollte man achten“ und „wo könnte viel passieren“, es kann aber auch sein, dass nach dem Lesen das Bauvorhaben komplett abgebrochen wird, einfach weil man zu viel Angst bekommen kann, wenn man liest was alles passieren kann.  Für Leute, welche schon gebaut haben ist dieses Buch eine schöne Lektüre um das eigene Bauvorhaben rückblickend zu betrachten. Alles in allem ist das Buch gut geschrieben und ein schöner Zeitvertreib, daher gebe ich 3 Sterne. Eine Leseempfehlung ist hier wohl schwer zu geben und muss von Fall zu Fall betrachtet werden 😉

Januar
27
[Abgebrochen] Level 26: Dunkle Seele – Anthony E. Zuiker
Cora

Klappentext:
Strafverfolgungsbehörden teilen Mörder in verschiedene Kategorien der Bösartigkeit ein: angefangen bei Zufallstätern der Stufe 1 bis hin zu Folterern und Schlächtern der Stufe 25, deren Grausamkeit und Perversität sich dem normalen Begriffsvermögen entziehen.
Doch nun ist eine neue Kategorie entstanden. Eine bisher unbekannte Dimension des Schreckens. Und nur eine geheime Elitetruppe weiß davon. Sie hat den Auftrag, die gefährlichsten Killer und Psychopathen der Welt auszuschalten. Bisher gehört nur eine Person in die neue Kategorie.

Seine Opfer: Jeder
Seine Methoden: Alles, was ihm geeignet erscheint
Sein Alias: Sqweegel
Seine Einstufung: Level 26

Jedem Leser stehen audiovisuelle Inhalte im Internet zur Verfügung.

LESEN Sie das Buch.
SEHEN Sie die Filme im Web.
ERFAHREN Sie die ganze Dimension des Schreckens.

Titel: Level 26: Dunkle Seele
Autor: Anthony E. Zuiker
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 430
ISBN: 978-3404160570
Meine Bewertung: 1 Stern – gefällt mir gar nicht

Womit fange ich an? Das mir ein Inhalt versprochen wurde, den es nicht gibt?

Im Vorwort steht: […] Wo traditionelle Erzählung endet, beginnt das Erleben, da der Leser in die Lage versetzt wird, nicht nur zu lesen, sondern zuzuschauen – die erste Digi-Novel TM der Welt ist erschaffen. […] werde ich dem Leser die Möglichkeit geben, sich auf Level26.com einzuloggen und [dort] Filme anzusehen, die die Geschichte von einem Kapitel zum anderen führen. […]

Meine Meinung:
Wenn ich mir die Zeit nehme zu lesen, dann freue ich mich, wenn mein Handy, Radio und TV aus sind, weil ich dann ruhe habe. Man wird doch den ganzen Tag zugeblödelt von den digitalen Medien, aber ich wollte mal was neues ausprobieren, daher dann doch der Griff zur Buch-Computer-Verbindung.
Wie bereits einleitend erwähnt, habe ich eine Digi-Novel erwartet, mit eigener Webseite und Codes, welche man einträgt um die entsprechenden Filmsequenzen zu sehen. Was habe ich bekommen? Eine Webseite, welche seit mindestens 2014 (lt. einer anderen Rezension) tot ist und nur noch auf den Youtube Kanal von Leven26 verweist. Dort sind die Videos in schlechter Qualität oder teilweise gar nicht mehr vorhanden, weil ebenfalls gelöscht.

Videos sind nicht alles, geht es ja hier eigentlich auch um Bücher. Also auf zur vernichtenden Buchkritik (Januar ist wohl nicht mein Monat):
Anthony E. Zuiker ist durch und durch Drehbuchautor, Kopfkino kennt er wohl nicht, denn dies lässt er nicht zu. Seine Sätze sind immer kurz und beschreiben alles so genau, dass die eigene Phantasie nur in der Ecke steht und sich langweilt. Mittlerweile bin ich auch zu dem Schluss gekommen, dass dies auch der Grund gewesen sein muss eine Digi-Novel zu erschaffen, einfach um noch genauer in den Verstand des geneigten Lesers einzugreifen und ihm noch mehr Gedankenkreativität zu nehmen.

Nachdem ich also beim Lesen meines Kopfkinos beraubt wurde und mir diesen stümperhaften Kurz-Satz-Quatsch für ein paar Kapitel angetan habe und das erste Video der Digi-Novelle nicht vorhanden war, habe ich mich für einen Abbruch entschieden. Meine Zeit ist kostbar und die verschenke ich nicht an so einen brutalen Kram, bei dem die Charaktere gestört, aber Oberflächlich gehalten sind und die eigentliche Handlung nur auf das bestialische Abschlachten von Menschen abzielt.

Fazit:
Die Geschichte ist durch die fehlenden Videos mangelhaft und hat wohl damals nur gutes Marketing genossen. Schlimm, wenn nun auch Bücher ein Verfallsdatum haben und ab einer gewissen Zeit nicht mehr zielführend genutzt werden können. Von mir gibt es nur einen Stern und selbstverständlich rate ich jedem ab sich dieses Werk zu beschaffen.

Januar
17
Balanceakt: Wie Pferde geritten werden müssen, damit sie gesund bleiben – Gerd Heuschmann [Gastrezension]
Cora

Klappentext:
In „Balanceakt“ vermittelt Gerd Heuschmann, warum es nur eine Art richtiger Reit- und Pferdeausbildung geben kann, was von Anfang an berücksichtigt werden muss und wie man alle elementaren Fehler am gerittenen Pferd erkennt, künftig vermeidet und vielleicht beheben kann. Besondere Aufmerksamkeit widmet Heuschmann dem Sitz des Reiters und damit seiner feinen Einwirkung. Das Buch ist ein praktisches Arbeitsbuch für den fortgeschrittenen Reiter und den Ausbilder und enthält erstmals die biomechanische Analyse von ausbildungsbedingten Bewegungsstörungen wie Zügellahmheit. Tierärzten ermöglicht das aufwändig gestaltete Werk einen umfassenden Blick auf das lahme Pferd, und es werden diverse Lösungsansätze für die unterschiedlichen Typen von Korrekturpferden vorgestellt. „Balanceakt“ ist hilfreich bei der Ausbildung aller Pferderassen und für jede Reitweise und liefert Gerd Heuschmann eine gekonnte Vorlage für den aktiven Tierschutz!

Titel: Balanceakt: Wie Pferde geritten werden müssen, damit sie gesund bleiben
Autor: Gerd Heuschmann
Verlag: KOSMOS
Seiten: 256
ISBN: 978-3440145333
Meine Bewertung: 1 Stern – gefällt mir gar nicht

Der erste Eindruck:

Das Buch kommt optisch sehr ansprechend daher. Es ist reich bebilder und vermittelt mit den Kapiteleinleitungen und dem gewählten Layout einen klassischen und professionellen Eindruck. Mit insgesamt 256 Seiten lässt sich einiges an Inhalt vermuten.
Da ich ein Buch erwartet hatte, welches sich vor allem biomechanischen Zusammenhängen widmet, erstaunten mich jedoch die sehr spärlich gesäten anatomischen Grafiken und Bilder.

Inhaltlicher Überblick:

Auf der ersten Seite findet man eine Widmung des Autors, welche mich ein bisschen irritiert hat.
Er schreibt: „Gewidmet allen die mich mögen – oder auch nicht!“
Gefolgt von einer Doppelseite voller Namen. In der Mitte sein in Sepia gehaltenes, etwas trotziges Portrait (im Stil von Anfang 20.Jh).
Auf mich wirkte das ein bisschen überheblich.

In den ersten sieben Kapiteln (Umfang ca. 27% des Buches) äussert sich der Autor zu seinen Ansichten über den aktuellen Reitsport und die Wichtigkeit der Ausbildung von Reiter und Pferd.
Dabei streift er auch die Themen Horsemanship und das Reiten mit feinen Hilfen.
Leider bleibt er dabei meistens sehr oberflächlich und wenn etwas detailliert erläutert wird bleiben für den halbwegs versierten Reiter Fragezeichen stehen, warum denn nicht einfach korrektes Reiten propagiert wird, anstelle von Symptombewältigung.
(z.B. S.75-77; Zügelhilfen und Zügelführung, Litauer Zügelführung)

Kapitel 8-14 widmet sich der Ausbildungsskala gemäss H.Dv.12, mit einem Zwischenkapitel in dem es um die Umsetzung der Skala im aktuellen Dressursport geht (Umfang ca. 27% des Buches)
In diesen Kapiteln stellt er wiederholt die Skala als einzig richtiger Ausbildungsweg dar.
Biomechanische Zusammenhäng werde eher oberflächlich behandelt.

Die nächsten drei Kapitel widmen sich den, meiner Meinung nach, eigentlichen Kernthemen zum Thema Balance und Gleichgewicht. Dem Genick, der Maultätigkeit und der Balanceverschiebung. (mit 27 Seiten leider nur ca. 11% des Gesamtwerkes)
Interessanterweise erscheinen in diesen Kapiteln plötzlich Zitate von François Robichon de la Guérinière, und auch François Baucher wird heran gezogen.
Leider scheint sich der Autor mit der Légèretée nicht wirklich befasst zu haben, sonst hätte er den Hintergrund der „cession de mâchoire“ (auslösen des Schluckreflexes) wahrscheinlich nicht als Kritikpunkt angeführt.

Es folgen 19 Seiten (drei Kapitel), in denen auf die Zügellahmheit, den Tierarzt im politischen Spannungsfeld und einer Hypothese zur „Berufskrankheit“ Fesselträgerschaden eingegangen wird.
Diese Problematiken werden biomechanisch auch nur vage erläutert.

Zum Schluss des fachlichen Teils des Buches widmet sich Herr Heuschmann in sechs Kapiteln Korrekturansätzen für verrittene oder verspannte Pferde.
Leider wird auch dieses wichtige Thema sehr oberflächlich behandelt. Der Versuch ein Pferd nach diesen Vorschlägen zu korrigieren ist meiner Meinung nach für das Zielpublikum dieses Buches nicht umsetzbar.

Zusammenfassung:

Einleitend widmet Herr Kurd Albrecht von Ziegner der H.Dv.12. eine dreiseitige Laudatio (Sogar der Titel dazu war ‚Laudatio auf die H.Dv.12‘).
Und genau das beinhaltet dieses Buch!
Auch der Autor verhehlt dies nicht, wenn er in seiner Zusammenfassung auf Seite 243 einleitend schreibt: „In dem vorangegangenen Text wird ausführlich der Hintergrund unserer seit ca. 100 Jahren gültigen Reitlehre erklärt.

Im Fachteil des Buches werden keine anderen Ausbildungsansätze zugelassen als die der H.Dv.12.
Wenn andere Reitlehren erwähnt werden, dann nur um sie als fehlgeleitet oder unvollständig dar zu stellen.
Zum Beispiel werden üble Reitfehler praktisch immer mit Bildmaterial aus der Isländer- oder Westernszene dokumentiert. Einzig bei der Rollkur sieht man auch Bilder aus dem Dressursport.

Die Themen werden praktisch überall nur gerade so tief angeschnitten, dass man irgendwas Biomechanisches dazu schreiben kann, ohne wirkliche Antworten zu liefern.
So werden die wichtigsten Rumpfträger, M. Serratus ventralis thoracis & -cervicis, ebenso ausser Acht gelassen, wie die M. Psoas major & -minor, welche für das Beugen der Hüfte und das steiler stellen des Beckens verantwortlich sind.
Alle Grafiken in denen der M. Serratus ventralis cervicis (oberer Rumpfträgermuskel) eigentlich sichtbar wäre, wird stillschweigen suggeriert, er gehöre zum M. Longissimus dorsi (langer Rückenmuskel).
Gemäss Autor erhöhen die M. Pectoralis (gesamte Brustmuskulatur) und die Bauchmuskulatur automatisch ihren Grundtonus wenn sich die obere Muskelkette spannt (S.102). Es ist unklar, ob er die Rückenmuskulatur oder alle über der Wirbelsäule liegenden Muskeln meint.
Wenn dies der Fall wäre, würde meiner Auffassung nach aber die Bewegungsfreiheit der Vorhand durch die erhöhte Spannung im M.Pectoralis profundus & -superficialis descendens gehemmt, was ein gelöstes Vorwärtstreten verunmöglicht.

Weitere für mich rätselhafte oder auch widersprüchliche Aussagen fand ich zum Thema Dehnungshaltung und dem Rücken wölben.
So heisst es auf S.82 zum 1. Ziel der Ausbildung:
„Das Pferd muss in den ersten Monaten lernen den Reiter in einer natürlichen Körperhaltung zu tragen.“ (unter „natürliche Körperhaltung“ versteht er die Haltung die ein Pferd in den einzelnen Gangarten ohne Reiter frei laufend annehmen würde)
Auf der nächsten Seit wird in einem Bildtext aber erwähnt, das Pferd müsse erst lernen sich unter dem Reiter V/A zu dehnen. Was kommt jetzt zuerst? Die natürliche Aufrichtung oder das V/A?
Zum Rückenwölben und Anheben der Vorhand wird auf S.87 geschrieben:
Der lange Rückenmuskel kann nur von seiner hinteren Basis (Dornfortsätze des Kreuzbeins und Darmbeinschaufeln) aus die Vorhand heben und den Rücken wölben.“ (wenn er von seiner vorderen Basis aus arbeite, würde der Rücken absinken)
Ich verstehe nicht, wie ein Muskel der parallel über der Wirbelsäule verläuft, diese nach oben wölben und erst noch die Vorhand anheben kann. Das anheben der Vorhand von hinten ist meines Wissens nach nur in höchster Versammlung möglich (z.B. bei der Levade). Die Versammlung kommt aber gemäss Skala erst ganz am Schluss.
Es gibt noch einige andere, für mich ähnlich komische Erläuterungen im Buch.
Diese aber alle hier zu beschreiben, würde den Rahmen sprengen.

Was den textlichen Inhalt im Allgemeinen angeht, so werden ausserordentlich viele Zitate vergangener Reitmeister aufgeführt und mit eigenen Worten weiter vertieft.
Man könnte den Eindruck bekommen, es würden vor Allem alte Weisheiten neu verpackt aber keine eigenen Erfahrungen vermittelt. (ausser bei der Litauer Zügelführung, die kommt definitiv vom Autor)

Das abschliessende Appel des Autors, unterschiedliche Ausbildungsziele anzuerkennen und dogmatische Mauern einzureissen, haben mich dann vollends umgehauen.
Hier ein paar Ausschnitte daraus:
„…Wir sollten aufhören, übereinander, sondern viel mehr miteinander zu reden.“ (Toll)
„…Wir brauchen weder eine neue Reitlehre, noch kann es eine neue, schlüssige geben.“ (Wie jetzt?)
„…Wie können Leute glauben, innerhalb kürzester Zeit (ein paar Jahre) ein solches System infrage stellen und ein äusserst fragliches Konzept als Lehre in den Raum stellen zu können? Von unseren Verbänden würde ich in einer solchen Situation sofort einen kompetenten und kämpferischen Einsatz erwarten.“ (Gibt es jetzt Krieg oder Dialog? Und um welches „fragliche Konzept“ geht es denn eigentlich?)
„…Wann kommt es endlich zu einem Austausch der Pferdeleute untereinander? Wir brauchen keine Gurus und neue Heilsbringer. Die klassische Reitlehre beantwortet alle Fragen derer, die im Sinne der FN Pferdeausbildung betreiben wollen.“ (und wie ist es mit den Fragen der Anderen?)
Und als Schlusswort: „…Ich wünsche unseren Funktionären grossen Mut, eine sichere Hand und ein treffsicheres Gespür für die Steuerung des ‚schönsten Sports der Welt‘ in die Zukunft.“

Ist es wirklich so, dass er alle Ausbildungsziele anzuerkennen will? Die schwarzen, roten, gelben UND die richtigen?
Ich weiss nicht, irgendwie erinnert mich das an eine ganz dunkle Zeit in Europa.

Meine Quintessenz:

Dieses Buch ist meiner Meinung nach eine mittelmässige Propaganda eines stark unter Druck stehenden Systems.
Die H.Dv.12 wird darin in z.T. recht arroganter Weise als einzig richtiger Weg deklariert.
Da kann man schon fast zum Schluss kommen, die FN möchte damit ihre „Schäfchen“ dringend davor warnen den „heiligen“ Weg zu verlassen, sonst würde übles geschehen.

Gastrezension verfasst von R. Berger.