Die Unsichtbaren – Roy Jacobsen

Klappentext:
Norwegen, erste Hälfte des 20. Jahrhunderts: eine abgelegene Insel hoch oben im Norden an der zerklüfteten Küste. Für Hans und Maria Barroy ist sie das Paradies auf Erden. Sie leben mit ihrer kleinen Familie von dem, was der karge Boden und das wilde Meer ihnen bescheren. Ihre Tochter Ingrid hingegen will mehr. Sie geht aufs Festland. Als Hausmädchen findet sie eine Anstellung bei einer wohlhabenden Familie. Rührend kümmert sie sich um deren Kinder Felix und Suzanne. Doch eines Tages sind deren Eltern verschwunden. Ingrid entschließt sich, die beiden Waisen mit auf ihre Insel zu nehmen. Es ist der Beginn einer dramatischen Entwicklung! Anrührend und weise, heiter und lebendig. Roy Jacobsens Beschreibungen der Menschen und der Natur sind atemberaubend.


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Titel: Die Unsichtbaren
Autor: Roy Jacobsen
Verlag: Osburg Verlag
Seiten: 270
ISBN: 978-3955100353
Meine Bewertung: 4 Sterne – gefällt mir

Inhalt:
Die Insel Borrøy – bewohnt von Martin, seiner Tochter Barbro, seinem Sohn Hans mit Frau Maria und deren gemeinsame Tochter Ingrid – liegt küstennah zu Norwegen. Die Familie lebt allein mit der Natur, bis Ingrid eines Tages genug vom Inselleben hat …

Schreibstil:
Der Schreibstil ist speziell. So ist der Satzbau, je nach Thematik, sehr verschachtelt bis kurz – prägnant. Je nachdem, was Jacobsen ausdrücken bzw. den Leser fühlen lassen möchte. Durch den überwiegend hypotaktischen Stil lässt sich das Buch zu Beginn schlecht lesen, wenn man sich jedoch fallen und sich auf Autor und Buch einlässt überrascht  Jacobsen mit einem sehr realitätsnahen Bericht über ein einfaches Leben. Trotz allem kam bei mir keine Sympathie für die Charaktere auf, ich konnte mich zwar wunderbar auf das Buch einlassen, aber eine Fremde zu den Personen blieb.

Charaktere:
Ingrid ist ein junges Mädchen, welches in dieser Geschichte einen starken Reifeprozess durchlebt. Sie wird, nicht nur durch ihre Familie, sondern auch durch das raue Klima geformt und erhält dadurch eine ganz eigene Art.

Barbro, die wahrscheinlich eine schwere Kindheit hatte, ist zwar vom Geschlecht her weiblich, aber sie scheint doch viel männliches in sich zu tragen. Für feine arbeiten scheint sie nicht die Ruhe zu haben und daher tummelt sie sich lieber bei den Männern herum. Auch kann sie dort ihre handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Schade nur, dass ihr dies des öfteren negativ ausgelegt wird. Ich hatte immer das Gefühl, nur weil sie „anders“ ist, muss Barbro leiden.

Martin, Hans und Maria sind ruhige und tatkräftige Familienoberhäupter die eine ruppige – bestimmt durch die harte Arbeit – Ausdrucksweise an den Tag legen und auch nicht immer freundlich handeln.

Cover:
Das Cover finde ich sehr schön. Eine Frau die auf etwas oder jemanden wartet, ganz allein und verlassen auf einem Steg …

Fazit:
Mir fällt es selten schwer ein Fazit zu schreiben, aber hier, bei „Die Unsichtbaren“ fehlen mir wahrhaftig die Worte. Der Klappentext verspricht etwas mystisches, dramatisches, eine Entwicklung um die Protagonistin Ingrid, die ihre Heimatinsel verlässt und dann zurückkehrt. Darauf habe ich mich – als Leserin – eingestellt und eine spannende Geschichte erwartet. Ich beginne zu lesen und erhalte etwas komplett anderes und zwar eine sprachgewaltige, bewegende Geschichte um eine Familie zu beginn des 20. Jahrhunderts. Ich lese wie die Familie ums überleben kämpft, wie sie lebt und was sie erleben und kurz vor dem Ende des Buches wird dann auch der Klappentext war … Wer also etwas über eine kleine Insel im Meer, das Leben dort und die Eigenheiten der Bewohner lesen möchte, ist mit „Die Unsichtbaren“ bestens bedient.

Ich vergebe für diesen Roman 4 Sterne, einen ziehe ich aufgrund der Erwartungen, welcher der Klappentext in mir weckte, ab.

Ich bedanke mich beim Osburg-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Mittsommersehnsucht – Elfie Ligensa

Klappentext:
Eine Sommerreise mit den Hurtigruten – und nichts ist wie zuvor

Alles hat die junge Ärztin Andrea für ihre große Liebe Jonas aufgegeben: ihren Job, ihre Heimat, ihre Freunde. Doch als sie im norwegischen Bergen ankommt, erwischt sie den Geliebten mit einer anderen. Verwirrt und enttäuscht bucht Andrea kurzerhand eine Passage mit den Hurtigruten und fährt mit dem Postschiff in Richtung Norden. Zwischen überwältigenden Fjorden und der Weite des Meeres findet sie Ruhe und neue Freunde. Auch ihr können als Ärztin wird gefragt, und schon bald gerät sie in einen Strudel aus kriminellen Machenschaften und Gefühlen für einen geheimnisvollen jungen Mann …

Der Roman beginnt seicht und als typischer Frauenroman. Andrea reist nach Norwegen um dort als Ärztin zu praktizieren, zu Leben und ihren Freund zu heiraten. Doch als sie in Bergen ankommt, erwischt Andrea ihren Jonas mit einer anderen im Bett. Andrea, die zutiefst getroffen und verstört ist, will sofort wieder nach Deutschland. Durch eine Begegnung mit dem lieben Taxifahrer Bengt entscheidet sich dann doch für eine Fahrt auf der Midnatsol – einem Postschiff -, welches sie in den hohen Norden zu den Lofoten bringt.
Was erwartet Andrea bei den kleinen Inseln und den Einheimischen die nur wenig Touristen kennen?

Der Schreibstil von Elfie Ligensa ist sehr einfach, flüssig und gut zu lesen. Teilweise etwas verträumt. In meinen Augen gelingt ihr das einfache Schreiben gut, mit der eingebundenen Spannungskurve hingegen hapert es leider etwas.

Die Charaktere sind mir fast alle negativ aufgefallen. Am Anfang hatte ich Mitleid mit Andrea, da sie extra für Jonas alles aufgibt und ihn dann in flagranti erwischt. Das gönne ich keinem. Aber später entwickelte sich Andrea zu einer Alleskönnerin, das machte sie wahnsinnig unsympathisch und es wurde leider im ganzen Buch nicht besser.
Jonas ist ein Waschlappen vom Feinsten! Ein Typ der nur ein Weibchen ansieht und ihr verfällt – wer mag denn sowas?! Ich kann mit solchen Typen nicht umgehen und hätte mir etwas Charaktertiefe gewünscht.

Aber es gab auch Personen die ich toll fand und über die ich gerne mehr gelesen und erfahren hätte. Das waren die Samen, ein Volk hoch oben im Norden (auch in Schweden und Finnland vertreten). Die Geschichte um die Tradition der Samen und deren Schamanin fand ich interessant, leider im Buch zu sehr geschönt.

Das Cover ist toll, passt allerdings gar nicht zur Geschichte. Es sieht einladend aus – so wurden die Norweger auch die ganze Zeit beschrieben – aber ein Bild der Landschaft hätte mich mehr gereizt. Die herrlichen Fjorde wurden so eindrucksvoll beschrieben, dass ein Bild dazu noch einladender wäre.

Fazit:
Ein Buch für zwischendurch und nur für Norwegenfans. Ich für meinen Teil kann sagen, dass mir das Buch nur von der Landschaftsbeschreibung und von den Einblicken in das Leben der Samen gefallen hat. Die Geschichte um Andrea war zu sehr gesponnen. Zu nichtssagend und zu langweilig. Ärzte werden in Norwegen gesucht, dass ist wahr, aber der Roman zeigt deutlich was es ist: eine Geschichte und keine Erfahrung. In diesem Sinne 3 Sterne.

Mein Dank für das Rezensionsexemplar geht an den Ullstein Verlag.

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Titel: Mittsommersehnsucht
Autor: Elfie Ligensa
Verlag: Ullstein
Seiten: 416
ISBN: 978-3548284361
Meine Bewertung: 3 Sterne – lässt sich gut lesen