November
22
[Reisebericht] Urlaub an der See
Cora

Ursprünglich wollte ich einfach nur weg. Ein bisschen die Seele baumeln lassen und von nichts etwas hören, was mit dem Urlaub nichts zu tun hat. Also einfach abschalten, dass, was man halt im Urlaub so macht. Ich habe mich sogar dazu durchgerungen keine Bücher mitzunehmen und sogar meinen Tolino reader in Berlin zu lassen. Dafür haben wir uns viele Karten- sowie Brettspiele eingepackt und sind dann freudig unsere 5,5 Stunden Auto gefahren und haben, weil es so schön ist, noch 2 Stunden Fähre drangehangen und waren dann einfach mal abgeschieden von der Menschheit auf einer kleinen Insel.

Bereits auf der Fähre zweifelte mein kleines berliner Gehirn an der Erziehungsfähigkeit einiger Eltern. Ich konnte mich gerade noch beherrschen meine Kodderschnauze nicht zu nutzen und sah mir das Spektakel einfach nur an und dachte mir meinen Teil. Es ist ja schließlich Urlaub und die Gedanken sind frei 😉

Damit es den lieben Kleinen auf der Fähre nicht zu langweilig wird, hat sich die Reederei etwas tolles ausgedacht. Es gibt mitten im großen Salon (dem Bordrestaurant oder in der kalten Jahreszeit dem einzig gemütlichen Saal) ein Bällebad. Zum Glück, dachte ich, hat das Bälle-Paradies Türen und ist komplett verglast, so würde sich die Lautstärke in Grenzen halten. Ja ich weiß, aber hoffen darf ich doch – es geht doch schließlich beim Urlaub immer um die Erholung, oder?!
Scheiß auf Türen und verglaste Wände, kaum hatten die Kinder ihre Schuhe ausgezogen räumten sie mit voller Inbrunst das Bällebecken leer und warfen fleißig mit den kleinen Kugeln im Salon um sich. Um die Bälle noch großflächiger im Schiff zu verteilen spielten sie dann auch noch Fangen und bewarfen sich über Tische und Bänke mit den bunten Kugeln. Ich warf einen hilfesuchenden Blick über die weiteren Fahrgäste, die sich allesamt an die äußersten Tische drängten um der Spielwut der Kinder nicht im Weg zu sitzen und entdeckte dann die wahrlich gestressten Mütter (ja es waren nur Frauen, wahrscheinlich von den Männern verlassene, alleinerziehende, kurz vor dem Burn-out stehende Mütter), welche sich fleißig den an Bord befindlichen Alkohol reinpfeiften. Logisch, bei dem Krach braucht man schon etwas starkes und ich überlegte ebenfalls fieberhaft mir etwas hochprozentiges zu bestellen. Wie es meine Begleitung schaffte, dabei seelenruhig aus dem Bullauge zu schauen und fleißig Fotos zu machen habe ich nicht verstanden, aber ich bewunderte ihn.
Auch dem Bordpersonal wurde es langsam zu gefährlich, nicht die Lautstärke und die herumrennenden Kinder brachten Gefahr, sondern die fleißig vor sich hin rollenden Bälle auf dem Boden bargen herrliches Potential zum Stolpern. Die Kellner schafften es zwar immer gut an den beweglichen Hindernissen vorbei, aber als der Seegang dann stärker wurde, wollten sie wohl kein Risiko mehr eingehen.
Die angeheiterten Mütter hingegen hatten nun, bei fleißigem Seegang, auch keine Muße mehr um sich der rollenden Bälle und der schreienden Brut anzunehmen und taten das Pädagogisch wertvollste, sie riefen ihren Kindern zu:“Wenn ihr nicht sofort aufräumt und ruhig seid, dann dreht der Kapitän um und wir fahren zurück!“
Schon war ruhe im Puff und ich blickte verstohlen auf meine Uhr. Noch 30 Minuten bis wir anlegen würden, bereits anderthalb Stunden gefahren, tja Kindererziehung ist ja was feines. Witzig wäre es nur, wenn jetzt ein Erwachsener genauso erzogen worden wäre und sich schreiend und kreischend auf den Boden geworfen hätte und getobt hätte, dass er nur wegen den Kindern nicht zurückfahren wolle und das so ungerecht fände. Aber leidet tat dies niemand und ich hatte keine Lust dazu. Wobei die Gesichter der anderen Fahrgäste sicherlich sehr interessant ausgesehen hätten.

Nach der sehr erholsamen Überfahrt ging es mit dem Bus weiter, welcher ein paar Minuten später an der Haltestelle stehen sollte. Um den Fahrplan nicht durch lästiges Fahrkarten kaufen aufzuhalten liefen meine Begleitung und ich schnell noch zu einem naheliegenden Gebäude auf dem riesige Schilder uns darauf hinwiesen gut informiert zu werden und Fahrkarten erwerben zu können. Die Dame am Schalter erwies sich aber leider nicht als hilfreich, sondern verwies uns zum Fahrkarten kaufen doch an den Busfahrer, sie könne gar keine Ausstellen. Wobei, damit hat sie uns ja doch irgendwie weitergeholfen. Ein komisches Volk, diese Insulaner.

Im Bus selbst war alles friedlich und die Burn-out-Mütter mit ihrer Brut war verschwunden. Vielleicht sind sie ja doch wieder zurückgefahren um den Kindern ihre Erziehungsmethoden glaubhaft zu verklickern, denn aufgeräumt hatten sie nicht (aber es war zumindest still geworden 😉 )

Der Urlaub konnte beginnen und wir hatten eine traumhafte Ferienwohnung, welche wir unbedingt wieder besuchen möchten, der nächste Urlaub ist in Planung! Wir hatten einen wundervollen Blick über die Wiesen und Weiden, konnten das Meer sehen und hatten täglich Besuch von Fasanen, Eichhörnchen und Hasen, welche fleißig durch den hauseigenen Garten liefen und verweilten. Nachbarn? Nö, die gab es nicht. Andere Menschen haben wir höchstens beim Einkaufen getroffen und so war diese Woche einfach nur wunderschön! Auch, weil ich in der Hauseigenen Bibliothek ein ganz besonderes Buch gefunden habe.

„Mein Weg durch Himmel und Höllen: Das Abenteuer meines Lebens von Alexandra David-Néel“ hat meine Aufmerksamkeit erweckt und wurde dann doch mal kurz in der Urlaubswoche gelesen. Die Rezension folgt!
Ich kann aber soviel sagen: Die Autorin hat mich wieder auf meinen Weg der inneren Ruhe gebracht und ich konnte endlich wieder Meditieren und meinen Körper so steuern, dass äußere Einflüsse mir egal erschienen. Also ging ich kurzerhand ins Meer baden und erfreute mich an den körpergroßen Wellen und meiner krebsroten Haut, welche durch die extreme Kälte doch arg gelitten hatte. Kaum war ich wieder einigermaßen aufgetaut, ging ich dann aber nochmals ins eisige Nass und hatte erneut viel Freude. Dann pilgerten wir die Woche über immer wieder über die Insel und schafften gute 35 Kilometer, teilweise Barfuß. Aber auch das kulturelle kam nicht zu kurz. So sahen wir uns noch die Zahlreichen Dünenlehrpfade, Dammwildgehege, Vogelkojen und Steinzeitdörfer an.

Leider hat jede Zeit ihr Ende und so fuhren wir wieder mit dem Bus zur Fähre. An der Haltestelle stand wieder eine Frau mit gleich 4 Kindern. Alle von ihr, aber so wie es aussah von unterschiedlichen Vätern. Sie schmatzte ihren Kaugummi so laut, dass ich dachte ihr lief der Speichel nur so aus dem Munde. Ich konnte mich kaum beherrschen, dachte aber dann an das angesehene Dammwildgehe zurück und verglich im Geiste die Mahlbewegung des Rehs mit der Kaugummi kauenden Mutter. Das Dammwild war wesentlich ästhetischer anzusehen, aber von den kauenden Bewegungen glichen sie sich. Erstaunlich!

Zum Abschluß meines langen Reiseberichtes möchte ich noch sagen:
Ein wunderschöner Urlaub, der besonders durch die beeindruckende Natur eine so bezaubernde Wirkung auf mich hatte, dass ich bald wieder dorthin möchte. Auch meine Begleitung war begeistert – auch wenn er meine Faszination „ich geh mal schnell ins Meer“ nicht teilen konnte.

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