Klappentext:
Ein Haus in Italien für einen Euro: Für die deutsche Architektin Tilda ist die verfallene Villa auf Sardinien ein Glücksgriff. Sie will alle Brücken hinter sich abbrechen und stürzt sich in die Renovierung. Doch die vermeintliche Idylle des verwinkelten Ortes trügt. Ist das Geisterdorf wirklich so verlassen, wie es den Anschein hat? Sonntags läuten die Glocken, und Unbekannte behaupten, ein Fluch liege auf Tildas Haus. Zusammen mit dem Journalisten Enzo, der die Geschichte des Dorfes erforscht, versucht Tilda herauszufinden, was hier geschehen ist. Doch der einzige Bewohner, der mehr weiß, ist der alte Silvio. Und der schweigt beharrlich. Als plötzlich Tildas jüngerer Bruder Nino vor ihrer Tür steht, lässt Tilda ihn zähneknirschend bei sich unterkommen. Er bringt Erinnerungen mit, die sie dringend vergessen will. Dann verschwindet Nino auf mysteriöse Weise. Getrieben von der verzweifelten Suche nach ihm offenbart sich Tilda und Enzo im schroffen Hinterland der Insel eine Wahrheit, die düsterer ist als jede Geistergeschichte – und die eng mit Tildas eigener Vergangenheit verwoben scheint.
Titel: Der dunkle Sommer
Autor: Vera Buck
Verlag: Rowohlt
Länge: 370 Seiten
ISBN: 978-3644023079
Meine Bewertung: 4 Sterne – gefällt mir
Inhalt:
Tilda hat genug von Deutschland und flüchtet nach Italien. Dort kauft sie ein Haus und genießt die Einsamkeit, ohne Internet und Telefon. Doch als ihr Bruder auftaucht, ändert sich alles …
Meinung:
Ich hatte mir den Klappentext gar nicht durchgelesen, für mich war nur eines wichtig: Vera Buck hat es geschrieben. Daher bin ich informationslos in diese Handlung gestolpert und konnte umgehend in die Geschehnisse eintauchen. Der Schreibstil ist wie immer absolut auf den Punkt und ich höre, rieche, schmecke und erlebe mit den Charakteren ihre Welt. Atmosphärisch, grauenhaft und dann wieder absolut verzaubernd erlebt man vier Handlungsstränge parallel. Tilda, die von Deutschland nach Italien flieht. Enzo, der Journalist, welcher sich für ein vor 40 Jahren geschehenes Massaker interessiert. Franca, welche Mitte der 60er Jahre in dem italienischen Bergdorf gelebt hat, in welchem die Handlung spielt. Und zu guter Letzt die Kurzgeschichten, welche zwischen den einzelnen Episoden niedergeschrieben sind. Natürlich laufen alle Fäden am Ende zusammen und die Auflösung ist aus allen Perspektiven gut nachzuvollziehen.
Die Figuren leben, agieren und man kann schnell eine Bindung zu ihnen aufbauen. Natürlich lädt die Handlung zum Miträtseln ein und die ganzen Wendungen machen es nicht gerade leicht alle Verbindungen zu finden.
Vera Buck hat sich erneut von realen Themen inspirieren lassen, die sie anschaulich und eindringlich schildert und dabei die Brutalität der Menschheit aufzeigt. Dennoch würde ich das Buch eher als Familiendrama mit Thriller-Elementen einordnen, weil die Handlung stellenweise einige Längen aufweist und für größere Atempausen sorgt. Als reinen Thriller würde ich es somit nicht bezeichnen. Was mir gut gefallen hat, war die Tatsache, das die Handlung größtenteils ohne Handy und Computer auskommt und auch die Situation beleuchtet, dass man sich ohne die Technik wieder Näher kommt. Auch war die Einbindung von Naturschutz / Klimaschutz / Klimawandel eine sehr gekonnte Leistung. Die Waldbrände auf Sardinien wurden gekonnt in die Handlung eingebunden, die globale Erwärmung fand einen guten Platz in der Lektüre, ohne belehrend zu wirken. Was hingegen schade war, das nicht alle Handlungen aufgeklärt wurden. Es bleiben noch ein paar Fragen offen (zumindest bei mir).
Cover:
Das Cover ist künstlerisch gestaltet, damit passt es zum Inhalt. Allerdings hätte ich mir mehr ein Foto eines kleinen Bergdorfes mit Kirche gewünscht. Enge Straßen, welche kein Autor durchlassen und es brütend heiß erscheint.
Fazit:
Eine spannende Lektüre mit kleinen Längen, die aber auch angenehm zu lesen sind. Ein packender Familienkrimi mit realen Ereignissen, der unter die Haut geht. Ich vergebe 4 Sterne, weil mir noch ein paar Fragen im Kopf herumschwirren und ich dafür lieber ein paar Szenen gekürzt hätte. Eine Empfehlung gibt es allerdings an jeden, der gerne Bücher mit realen Hintergründen liest und Plot-Twists liebt.
