Klappentext:
Lottie Moggachs Roman rund um das Social-Media-Zeitalter verdeutlicht, wie das Internet unsere Vorstellung von Realität und Identität verändert.
Okay, nehmen wir uns einmal dieses hypothetische Dilemma vor: Eine Frau leidet an einer Krankheit, die an und für sich nicht lebensbedrohlich ist, aber ihre Lebensqualität stark einschränkt und auch nicht heilbar ist. Nach reiflicher Überlegung kommt sie zu dem Schluss, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Aber sie weiß, dass sie damit ihrer Familie und ihren Freunden großen Kummer bereiten würde und handelt daher nicht. Dennoch wünscht sie sich verzweifelt den Tod und an dieser Einstellung ändert sich auch über die Jahre nichts. Irgendwann kommt sie zu dir und sagt, ihr sei ein Weg eingefallen, wie sie ihren Plan in die Tat umsetzen kann, ohne ihre Familie und ihre Freunde unglücklich zu machen, aber dafür brauche sie deine Hilfe. Was würdest du tun? Würdest du ihr helfen?
Titel: Ich bin Tess
Autor: Lottie Moggach
Verlag: Script5
Länge: 352 Seiten
ISBN: 3839001587
Meine Bewertung: 1 Stern – gefällt mir gar nicht
Inhalt:
Tess ist krank, nicht lebensbedrohlich, aber so, dass es sie einschränkt. Sie möchte nicht mehr Leben, will allerdings ihre Familie und Freunden keinen Kummer bereiten und bittet daher Leila um Hilfe – kann sie das Leben von Tess in social media fortführen, sodass alle glücklich sind?
Meinung mit Spoilern:
Der Klappentext klang gut und auch das Thema wie weit man geht / gehen würde, um jemanden das Sterben zu erleichtern ist ethisch ein sehr interessantes Thema. Die Umsetzung ist allerdings mehr als schlecht. Tess ist eine grauenhafte Persönlichkeit. Mit über 40 Jahren scheint sie nichts auf die Reihe bekommen zu haben, sie drückt sich aus wie ein verzogenes Kind, ist nicht aufmerksam, keine Empathie und die ständigen Beschreibungen ihres Lebens sind einfach sehr nervig. Eventuell wollte die Autorin genau dieses Bild von Tess vermitteln, damit man versteht, warum Tess nicht mehr Leben möchte, aber da haben doch schon etliche Hilfsangebote vorher versagt! Weil mich Tess so genervt hat, habe ich vieles überblättert und hatte dennoch keine Schwierigkeiten der Thematik zu folgen.
Leila, welche das virtuelle Leben von Tess übernimmt war zu Beginn der Geschichte noch sympathisch, ein bisschen naiv, weil sie noch jung ist, aber so ganz nett. Dann tummelt sie sich viel in einem Ethikforum rum und, oh Wunder, alle hypen das Mädchen und sie steigt bald in einem elitären Kreis der ausgewählten auf – klar das man für so viel Bildung dann zur Kasse gebeten wird – das ist ja schon wieder ethisch fragwürdig. Also Leila übernimmt dann, auf Bitten vom Forumsgründer Adrian, die Arbeit mit Tess. Wohlgemerkt erst dann, als ihr Adrian mit einer List zu verstehen gibt, das sie Tess aus ethischer Sicht helfen MUSS. Leila hat also in ihrem Glauben keine Wahl und verkauft ihr Leben dann unter Wert. Sie nimmt also pro Woche Geld von Tess (wohlgemerkt erst NACH ihrem Ableben), um sich in allen Medien als Tess auszugeben. Die ganze Vorbereitung macht Leila gratis. Nebenbei hat sie aber noch einen Job, den schafft sie angeblich während der stundenlangen Arbeit MIT Tess, aber wenn sie dann ein paar Nachrichten schreiben und beantworten soll, NACHDEM Tess weg ist, kündigt sie ihren Job, weil beides nicht zu vertreten ist? Die Geschichte wird also immer unglaubwürdiger und verrückter. Die Charaktere sind absolut konstruiert und aus der interessanten Idee wird ein absolut hohles Debüt. Auch schlimm: Tess überkommen ab und an Zweifel und anstatt ihr zu helfen, sagt Leila, du wolltest das, also mach es. Wie ethisch vertretbar ist das bitte?!
Cover:
Das Cover zeigt Personen ohne Identität, damit passt es theoretisch zum Inhalt. Es weckt allerdings andere Erwartungen.
Fazit:
Furchtbare Figuren und eine absolut konstruierte, langweilige Handlung. Ich habe mich für einen Abbruch des Buches entschieden, weil mir meine Lesezeit für so viel Blödsinn zu schade ist. Daher nur einen Stern und keine Empfehlung.
