Februar
17
Gymnastizierende Arbeit an der Hand: Schritt für Schritt zu Losgelassenheit und Selbstvertrauen – Oliver Hilberger
Cora

Klappentext:
Die Arbeit an der Hand in ihrer klassischen Form, wie sie heute noch zum Beispiel in der Wiener Hofreitschule praktiziert wird, ist im Alltag vieler Dressurreiter leider stark in den Hintergrund geraten und wird nicht selten als unnötig abgetan. Dabei wird übersehen, wie wertvoll diese Arbeit vom Boden aus als Alternative und als Ergänzung für die Arbeit unter dem Sattel ist – und zwar nicht nur in hohen Lektionen, sondern auch im Bereich der Basisübungen, die von fast allen Reitern und Pferden gut erlernt werden können. Das gilt für Pferde, die aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend keinen Sattel tragen können, ebenso wie für Pferde, die sich schwer unter dem Reiter gymnastizieren lassen und Schwierigkeiten haben, ihr Gleichgewicht zu finden.
Reiter profitieren von der Arbeit an der Hand dadurch, dass sie ihre präzise Hilfengebung schulen und unabhängig von den eigenen reiterlichen Fähigkeiten ihr Pferd auf schwierigere Lektionen vorbereiten können. Für beide Partner bietet die klassische Arbeit an der Hand die Möglichkeit, Abwechslung in den Trainingsalltag zu bringen.
Das Buch erläutert systematisch Schritt für Schritt den Weg zur korrekten und spielerisch leichten Ausbildung des Pferdes vom Boden aus. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Beschreibung der Seitengänge, denen für die Gymnastizierung und Vorbereitung auf schwere Lektionen eine zentrale Rolle zukommt. Die Bilder lassen die schriftlichen Erläuterungen hervorragend nachvollziehen und stellen dank besonderer Bildtechnik auch Bewegungsabfolgen anschaulich dar.

Titel: Gymnastizierende Arbeit an der Hand: Schritt für Schritt zu Losgelassenheit und Selbstvertrauen
Autor: Oliver Hilberger
Verlag: Cadmos
Seiten: 160
ISBN: 978-3861274490
Meine Bewertung: 3 Sterne – lässt sich gut lesen

Inhalt:
Einleitung
– Die Verwandlung des eigenen Pferdes

GYMNASTIZIERUNG:
Die Hauptaufgabe der Handarbeit
– Das Spiel mit der Balance
– Losgelassenheit
– Muskelaufbau
– Gleichgewicht
– Körperbewusstsein
– Selbstvertrauen
– Was lernt der Mensch

Die Ausrüstung
– Der Kappzaum
– Die Trense
– Die Gerte
– Das Lob

Basisarbeit
– Die Grundposition
– Die Trensenführung
– Die Gertenhaltung
– Die Hilfengebung
– Erste Basisübungen auf Trense
– Aufrichtende Wirkung
– Senkende Wirkung
– Biegende Wirkung
– Erste Basisübungen am Kappzaum

Das Pferd in Bewegung
– Die bevorzugte Seite
– Weniger ist mehr
– Klare Regeln beim Führen und Treiben
– Der Schritt als Basisgangart
– Das Antreten
– Die Haltparade
– Hilfengebung am Kappzaum
– Problem: Das Pferd bleibt nicht stehen
– Das Rückwärtsrichten
– Routine und Erfahrung
– Die Hufschlagfiguren im Porträt
– Ganze Bahn
– Zirkel
– Volte
– Einfache und doppelte Schlangenlinie
– Schlangenlinie durch die Bahn mit drei Bögen
– Halbe Bahn und Karree
– Durch die Länge der Bahn
– Verschiedene Möglichkeiten des Handwechsels

Stellung, Biegung, Vorwärts
– Auf dem Zirkel
– Häufige Fehler des Menschen
– Die Hilfengebung auf Kappzaum
– Untertreten auf der Volte

Das Schulterherein
– Die Schlüssellektion
– Gleichmäßige Biegung?
– Vorbereitung
– Ausführung
– Schulterherein auf vier Hufspuren
– Das Konterschulterherein
– Übungsfolge zur Weiterentwicklung
– Der Trab
– Antraben und Durchparieren

Der Renvers
– Vorbereitung
– Schritt 1: De Vorhandwendung
– Schritt 2: Die Erweiterung
– Schritt 3: Der Renvers auf der Volte
– Der Renvers geradeaus

Der Travers
– Ausführung
– Vom Travers auf der Volte zur Schrittpiroutte
– Travers aus dem Schulterherein

Die Traversale
– Das innere Bild
– Vorbereitung und Ausführung
– Die Traversale auf Kappzaum

Kombinierte Seitengänge
– Vielfältige Variationen
– Schlangenlinien durch die Bahn mit Seitengängen
– Einfache und doppelte Schlangenlinie mit Seitengängen
– Die Acht mit Seitengängen
– Schulterherein und Traversale
– In kombinierten Seitengängen durch den Zirkel wechseln
– Das Dreieck
– Die Acht im Quadrat
– In Seitengängen durch das ganze Viereck
– Die kombinierenden Passaden

Weiterführende Arbeit
– Ausstrahlung und Freude
– Übergänge
– Das Antraben im Seitengang
– Das Parieren im Seitengang
– Die Schaukel
– 1. Der gezählte Schritt
– 2. Das versammelte Halten
– 3. Rückwärtsrichten
– Die ziele

Ausblick
– Wohin geht der Weg?
– Mit Leidenschaft zu ungeahnten Höhen

Der Hauptdarsteller
– Malcoms Vorgeschichte
– Die Rettung und Verwandlung

Meine Meinung:
Viele Themen für 160 Seiten Buch! Dies muss sich der geneigte Leser vor Augen führen, denn die Beschreibungen sind knapp und Bilder gibt es ja auch noch. Was sich im Inhalt noch gut und vielversprechend anhört, lässt leider teilweise viele Fragen offen. Dennoch ist dieses Buch eines der besten (Gymnastik-) Bodenarbeitsbücher, welches ich kenne.

Positiv finde ich:
– Beschreibung und Bebilderung zur Hilfengebung
– Erklärung der Seitengänge

Negativ finde ich:
– Auf einigen Bildern weist „Malcom“ einen falschen Knick in der Halswirbelsäule auf, die Gefahr ein Pferd bei der Handarbeit auf Trense zu „rollen“ ist immer gegeben, aber leider wird dies mit keiner einzigen Silbe erwähnt!
– Es gibt keine Erklärung, welche Muskelgruppe genau gymnastiziert wird und welche Abstellung gewählt werden muss um die natürliche Schiefe des Pferdes auszugleichen (Unterschied Hohle- und Zwangsseite fehlt! Gerade bei den Seitengängen ist diese Unterscheidung wichtig, damit das Pferd nicht noch verspannter aus dem Training kommt als es hinein ging.)

Fazit:
Ich habe nicht so richtig herausgefunden für wen dieses Buch eigentlich geschrieben wurde. Viele Dinge sind für Anfänger nicht nachzuvollziehen und so können sehr schnell Fehler entstehen. Was passiert, wenn sich das Pferd auf eine Schulter fallen lässt, falsch im Hals abknickt etc. Diese Dinge fehlen mir schlichtweg. Für Fortgeschrittene ist theoretisch nur der letzte Teil der Seitengangkombinationen interessant. Daher vergebe ich für dieses Buch nur 3 Sterne und eine Leseempfehlung gebe ich an Anfänger in der gymnastizierenden Handarbeit, welche bereits ihr Auge geschult haben und ein Pferd im Laufen gut beurteilen können (einfach um Stellungsfehler in der Statik gleich zu korrigieren, statt diese einzubauen).


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